SaaS-Projekte (Software as a Service) gehören zu den attraktivsten Investments im digitalen Bereich – durch wiederkehrende Einnahmen, skalierbare Modelle und oft überschaubare laufende Kosten. Aber worauf musst du beim Kauf wirklich achten?
Warum SaaS-Projekte so attraktiv sind
Anders als einmalige Produkt- oder Affiliate-Verkäufe generieren SaaS-Projekte monatlich wiederkehrende Einnahmen (MRR). Das macht Cashflows planbar und das Risiko kalkulierbar. Außerdem:
- Kunden zahlen monatlich oder jährlich – stabiler Cash Flow
- Keine physischen Produkte, kein Lager
- Skalierbar ohne proportional steigende Kosten
- Oft hohe Wechselhürden (Kunden bleiben, weil der Wechsel aufwändig ist)
Die 7 wichtigsten Kennzahlen beim SaaS-Kauf
1. MRR – Monthly Recurring Revenue
Der monatlich wiederkehrende Umsatz ist die Kernkennzahl. Wichtig: prüfe ob der MRR stabil, wachsend oder sinkend ist. Ein sinkender MRR ist das größte Warnsignal.
2. Churn Rate
Die Kundenabwanderungsrate gibt an, wie viel % der Kunden pro Monat kündigen. Unter 2%/Monat gilt als gut, unter 1% als exzellent. Eine Churn Rate von 5%+/Monat bedeutet, dass das Produkt in 20 Monaten fast alle Kunden verloren hat.
3. CAC – Customer Acquisition Cost
Was kostet es, einen neuen Kunden zu gewinnen? CAC sollte mindestens 3× durch den Lifetime Value (LTV) des Kunden gedeckt sein. Formel: LTV = (MRR pro Kunde × Bruttomarge) / Churn Rate.
4. Net Revenue Retention (NRR)
NRR über 100% bedeutet: bestehende Kunden generieren mehr Umsatz als neu gewonnene Kunden verloren gehen (durch Upgrades, Zusatzfeatures). Das ist das Beste, was einem SaaS passieren kann.
5. ARR – Annual Recurring Revenue
MRR × 12. Wird für größere Projekte genutzt und ist die Basis für EBITDA-Multiple-Bewertungen.
6. Anzahl der Kunden
Ein SaaS mit 500 Kunden à 20 €/Monat ist stabiler als eines mit 5 Kunden à 2.000 €/Monat – auch wenn der MRR identisch ist. Konzentration auf wenige Großkunden ist ein Risiko.
7. Technologie-Stack
Welche Technologien werden eingesetzt? Kannst du (oder ein Freelancer) die Anwendung warten und weiterentwickeln? Veraltete Stacks oder exotische Technologien erhöhen die laufenden Kosten.
Red Flags beim SaaS-Kauf
- 🔴 Sinkender MRR über 3+ Monate
- 🔴 Churn Rate über 3%/Monat
- 🔴 Mehr als 30% Umsatz von einem einzigen Kunden
- 🔴 Keine Dokumentation des Codes oder der Prozesse
- 🔴 Verkäufer "ist das Produkt" – alle Kundenbeziehungen laufen über ihn
- 🔴 Offene Rechtsstreitigkeiten oder Datenschutzverletzungen
- 🔴 Viele 1-Sterne-Bewertungen in App Stores oder auf Review-Portalen
Green Flags beim SaaS-Kauf
- ✅ Stabiler oder wachsender MRR über 12+ Monate
- ✅ Churn Rate unter 2%
- ✅ Diversifizierter Kundenstamm (kein Kunde über 15% Umsatzanteil)
- ✅ Dokumentierter Code, Onboarding-Prozesse, Support-FAQs
- ✅ Positive Reviews und aktive Community
- ✅ Automatisierte Zahlungsabwicklung (Stripe, etc.)
Due Diligence Checkliste für SaaS
Fordere vor dem Kauf an:
- Stripe / Chargebee / Paddle Dashboard-Zugang (direkt, keine Screenshots)
- MRR-Entwicklung der letzten 24 Monate
- Monatliche Churn-Rate der letzten 12 Monate
- Liste aller aktiven Kunden mit Vertragslaufzeiten
- Alle laufenden Kosten (Hosting, APIs, Tools, Support)
- Technische Dokumentation und Codebase-Zugang
- Datenschutzerklärung und Auftragsverarbeitungsverträge
- Support-Ticketvolumen der letzten 3 Monate
Preisfindung: Was ist ein fairer Preis?
SaaS-Projekte werden typischerweise mit 24–60× MRR bewertet. Der genaue Multiple hängt ab von:
- Wachstumsrate (wachsend = höheres Multiple)
- Churn (niedriger Churn = höheres Multiple)
- Technologie-Qualität (sauber, dokumentiert = höheres Multiple)
- Marktgröße (großer adressierbarer Markt = höheres Multiple)
Fazit
SaaS-Projekte können exzellente Investments sein – wenn du die richtigen Kennzahlen verstehst und eine gründliche Due Diligence durchführst. Lass dich nicht von hohen MRR-Zahlen blenden, wenn der Churn hoch ist oder der Verkäufer "das Produkt" ist.
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