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Bewertung10 Min. Lesezeit09. Mai 2026

So bewertest du ein Online-Business richtig (5 Methoden)

EBITDA-Multiple, SDE, DCF – welche Bewertungsmethode passt zu welchem Business? Lerne, wie Profis den Wert digitaler Assets berechnen.

Wie viel ist deine Webseite, dein SaaS-Projekt oder dein Online-Shop wirklich wert? Die Bewertung digitaler Assets ist komplexer als bei klassischen Unternehmen – aber mit den richtigen Methoden bekommst du schnell eine realistische Zahl.

Warum ist die Bewertung so wichtig?

Ob du kaufen oder verkaufen willst: eine falsche Bewertung kostet bares Geld. Käufer, die zu viel zahlen, brauchen Jahre um die Investition reinzuholen. Verkäufer, die zu wenig verlangen, verschenken Wert. Professionelle Investoren und M&A-Berater nutzen strukturierte Methoden – und genau diese zeigen wir dir hier.

Methode 1: SDE-Multiple (Seller's Discretionary Earnings)

Die SDE-Methode ist die am häufigsten verwendete Bewertungsmethode für kleine Online-Businesses (Jahresumsatz unter 1 Mio. €). SDE = Gewinn vor Steuern + Geschäftsführergehalt + einmalige Kosten.

Typische Multiples:

  • Unter 1 Jahr alt: 12–18× monatliches SDE
  • 1–2 Jahre alt, stabiler Traffic: 20–30× monatliches SDE
  • Über 3 Jahre, wachsend: 30–48× monatliches SDE

Beispiel: Ein Content-Blog verdient nach Kosten 2.000 €/Monat (SDE). Bei einem Multiple von 30× ergibt das einen Wert von 60.000 €.

Methode 2: EBITDA-Multiple

Das EBITDA-Multiple (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization) wird bei größeren Projekten ab ca. 500.000 € Jahresumsatz eingesetzt. Im digitalen Bereich liegen die Multiples typischerweise zwischen 4× und 10× des Jahres-EBITDA.

Faktoren, die das Multiple erhöhen:

  • Wiederkehrende Einnahmen (MRR/ARR) – besonders wertvoll bei SaaS
  • Diversifizierter Traffic – kein Single Point of Failure
  • Wachstum – positive Entwicklung der letzten 12 Monate
  • Geringe Churn Rate – Kunden bleiben langfristig
  • Proprietäre Technologie – schwer zu kopieren

Methode 3: MRR-Multiple für SaaS

Für SaaS-Unternehmen hat sich eine eigene Bewertungslogik etabliert: der MRR-Multiple (Monthly Recurring Revenue). Typisch sind 24–60× MRR, abhängig von:

  • Churn Rate (Kundenabwanderung): unter 2%/Monat ist exzellent
  • Net Revenue Retention: über 100% bedeutet Expansion Revenue
  • CAC vs. LTV: der Lifetime Value sollte mindestens 3× den Akquisitionskosten betragen

Beispiel: Ein SaaS mit 5.000 € MRR, 1,5% Churn und wachsender Nutzerzahl kann leicht das 40–50-fache des MRR erzielen: 200.000–250.000 €.

Methode 4: Traffic-basierte Bewertung

Für reine Content-Sites und Blogs ohne direkten Umsatz wird oft der Traffic als Bewertungsgrundlage herangezogen. Faustformel: 1 organischer monatlicher Besucher = 0,10–0,50 €. Eine Site mit 50.000 monatlichen Besuchern wäre demnach 5.000–25.000 € wert – abhängig von Nische, Monetarisierungspotenzial und SEO-Qualität.

Wichtig: Diese Methode ist nur ein Anhaltspunkt. Ohne Monetarisierung hat Traffic allein keinen stabilen Wert.

Methode 5: DCF – Discounted Cash Flow

Die DCF-Methode ist die akademisch korrekteste, aber auch aufwendigste Methode. Sie berechnet den Barwert aller zukünftigen Cashflows und diskontiert diese mit einem Zinssatz (typischerweise 10–20% bei Online-Businesses).

DCF eignet sich für Projekte mit vorhersehbaren, stabilen Einnahmen. Bei volatilen Online-Businesses ist sie weniger geeignet, da die Zukunftsannahmen zu unsicher sind.

Welche Methode ist die richtige für dein Projekt?

ProjekttypEmpfohlene Methode
Content-Blog / Affiliate-SiteSDE-Multiple
SaaS / Abo-ModellMRR-Multiple
E-Commerce ShopSDE- oder EBITDA-Multiple
Reiner Traffic (kein Umsatz)Traffic-basiert
Großes Projekt (>500k €)EBITDA-Multiple + DCF

Wertsteigernde und wertmindernde Faktoren

Steigern den Wert:

  • Positive Umsatzentwicklung (Wachstum)
  • Diversifizierte Traffic- und Einnahmenquellen
  • Starke Marke und Community
  • Niedrige Abhängigkeit vom Gründer (läuft "von selbst")
  • Gut dokumentierte Prozesse

Mindern den Wert:

  • Sinkende Trends (Umsatz, Traffic)
  • Abhängigkeit von einem einzigen Kanal (z. B. nur Facebook Ads)
  • Keine Dokumentation / hohes Key-Person-Risiko
  • Rechtliche Unsicherheiten (Lizenzen, Markenrechte)
  • Technische Schulden

Fazit: Lass dich nicht unter Wert verkaufen

Die richtige Bewertung ist die Grundlage jeder erfolgreichen Transaktion. Als Verkäufer solltest du mindestens zwei Methoden anwenden und den höheren Wert als Ausgangspunkt nehmen. Als Käufer nutzt du die Bewertung, um Verhandlungsspielraum zu finden.

Auf Sellivo bieten wir jedem Inserat eine KI-gestützte Bewertung auf Basis der eingegebenen Kennzahlen – als erster Anhaltspunkt für Käufer und Verkäufer.

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